Sonja Feldmeier
«Inhale Exhale»

1. Dezember 2007 – 13. Januar 2008

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Sonja Feldmeier, Videostill Inhale Exhale, 2007

 

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Sonja Feldmeier, Ausstellungsansicht, Inhale Exhale, 2007

Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Stefan Rohner

Die in Basel lebende Sonja Feldmeier (*1965) beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit Themenfeldern wie Politik, territorialen Machtverhältnissen und Identitätskonstruktionen. In ihren vieldeutigen Arbeiten und durchdachten Ausstellungssituationen verdichten sich Zeichen und Anspielungen zu komplexen Anordnungen. Eingeschliffene Rollenbilder erfahren Risse, werden spröde, offenbaren dadurch aber gerade ihre gesellschaftliche Wirkkraft. Die Neuverhandlungen der präsentierten Stereotypen bis hin zu ihrer eigenen Unterwanderung ist denn auch eine der Stärken Sonja Feldmeiers künstlerischer Arbeit.

 

In ihrer diesjährigen Ausstellung „Lost Call“ im Ausstellungsraum Klingental in Basel übersetzte die Künstlerin Camouflagemuster verschiedener Armeen in Landkarten. Durch den malerischen Transformationsprozess entstanden Topographien, die nicht nur hypothetische Landschaften darstellen, sondern politische und strategische Verwebungen der jeweiligen Nationen kondensieren lassen.

 

Für ihre Ausstellung INHALE EXHALE in der Kunst Halle Sankt Gallen, plant Sonja Feldmeier eine waldähnliche Szenerie aus Deckenstützen aufzubauen. Das Publikum findet sich in einer schwer durchschaubaren Umgebung wieder, in welche die Künstlerin drei neue Werke einbettet, die alle um Kommunikationsprozesse und Konstruktionsmodelle von Identitäten kreisen.

 

In einer dieser installativen Arbeiten sind verschiedene Stimmen aus Wurzelstöcken zu hören, die einen Song von Frank Sinatra, dem Grandseigneur des amerikanischen Entertainment, interpretieren. Damit bezieht sich Sonja Feldmeier auf Rollenbilder sowie Referenzgrössen innerhalb unserer Gesellschaft, die ein Spannungsverhältnis zwischen individuellen Lebensgestaltungen und medial inszenierten Figuren erzeugen.

 

Im Raum nebenan wird eine Videoprojektion zu sehen sein. Darin spielt eine Frau unter einer übergrossen Burka wuchtig Schlagzeug. Am Anfang des Solostücks zeigt der Bildausschnitt die Augenpartie, um danach die gesamte Person einzufangen und schliesslich in Richtung des Publikums zurückzuschwenken. Parallelen zu Videoclips erscheinen in dieser filmischen Setzung durchaus angebracht. Diese Annahme wird jedoch auch gleich wieder unterlaufen, indem mit dem abschliessenden Kameraschwenk der Zuschauer die Perspektive der Musikerin übernimmt. Auch die inhaltliche Logik der Musikclips, in der die Stars ihr Ego zelebrieren, wird ad absurdum geführt. Die textile Oberfläche Burka verhindert eine Annäherung an die Person unter der Kleidung. So verkehrt der Eindruck eines Musikclips, kippt ab in eine Ungewissheit, ob hier nicht vielmehr ein Archetypus einer Frau inszeniert wird, dessen Imagination aber unserer eigenen Projektionsgewohnheit entspringt.

 

Die Kunst Halle Sankt Gallen freut sich sehr, eine Einzelausstellung mit Sonja Feldmeier realisieren zu dürfen. Ihr künstlerischer Umgang mit unterschiedlichen Identitäten sowie deren Konstruktionen, die Aufdeckung der jeweiligen kommunikativen Prozesse, die zu entsprechenden Rollenbildern und Stereotypen führen, stellt eine wohltuend kritische und abwechslungsreiche Position in der gegenwärtigen Schweizer Kunstlandschaft dar. Wir danken der Brunner Erben AG, Bauunternehmen St. Gallen, und Ressort Kultur Basel-Stadt für ihr grosszügiges Engagement.

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