«Protest! Respect!»
Politik als ästhetische
Kategorie

16. April – 17. Juni 2002

Gruppenausstellung mit Annelise Coste, Atelier van Lieshout, Jens Haaning, Karla Rockmaster K., San Keller, Gianni Motti, Olaf Nicolai, Anri Sala, Shahrzad, Santiago Sierra

 

Die Arbeit "Tranquility Base" des in Genf lebenden Künstlers Gianni Motti stellt eine massstabsgetreue Replik der amerikanischen Fahne auf dem Mond dar. Sie ist zugleich Ready-Made und Symbol für amerikanischen Territorialanspruch.

 

Noch nie haben Kunst und Politik auf visueller und inhaltlicher Ebene so viel gemeinsam gehabt wie heute. Politiker werden zunehmend zu mediatisierten Figuren. Als Folge ist ihr Auftritt in erster Linie ein ästhetisches Ereignis. Über Erfolg oder Misserfolg entscheidet zu einem grossen Teil der mediale Auftritt.

 

Künstler und Modemacher hingegen thematisieren auf formaler und inhaltlicher Ebene in hohem Masse Politisches. Nicht um die Welt zu verändern oder zu verbessern, sondern als vordergründig ästhetisches Erlebnis, das seiner Natur nach eine Forderung beinhaltet. Kunst und Realpolitik gehen nicht etwa ineinander über (konkrete politische Parolen sucht man vergebens), vielmehr handelt es sich um eine Ästhetisierung des Politischen als künstlerische Äusserung.

 

Die französische Künstlerin Annelise Coste bringt Namen von Kampfjets mit Tierfiguren zusammen. Die Gegenüberstellung ergibt ein ambivalentes Bild, das auf psychologischer Ebene Verniedlichung und Hass vermengt.

 

Das holländische Atelier van Lieshout macht im Kollektiv Kunst. Das als Firma aufgebaute Atelier hat vor einigen Jahren beschlossen einen eigenen Staat zu gründen: Die AVL-Ville in Rotterdam. Nebst alltäglichen Einrichtungen und Produkten wie Häuser samt Möbel, Restaurants, Kläranlagen oder Medikamenten hat das Atelier van Lieshout damit begonnen eine Verteidigungslinie aufzubauen.

 

Jens Haaning war, bevor er Künstler wurde, jahrelang in Dänemark politisch aktiv. Seine Kunst zielt oft auf eine politische Ebene ab, ohne jedoch das Feld der Kunst zu verlassen. Der dänische Künstler präsentiert Fotos aus seinem "Refugee Calendar" (siehe Ausstellungsansicht) sowie eine Arbeit "Foreigners free", dies bedeutet: freier Eintritt für Ausländer.

 

Der in Zürich lebende Künstler Karla Rockmaster K. baut anhand seines eigenen Abbilds Identitäten auf. In einer neuen Installation dreht sich alles um eine lose Gruppierung junger Leute, die – wie es das Video evoziert – in einem Versteck zu leben scheinen.

 

In seiner Arbeit "Lenin" steckt Olaf Nicolai mittels eines glitzernden Stoffes ein Feld von acht Quadratmetern ab. Dies ist die Fläche, welche der russische Revolutionär für jeden Bürger als zu beanspruchende Wohnfläche im sozialen Wohnungsbau ansah.

 

Der aus Tirana stammende Künstler Anri Sala lebt in Paris. Als Basis der Videoinstallation "Intervista" dient ein historisches Interview mit Salas Mutter. Zur Zeit der Aufnahme war sie Direktorin der National Library in Tirana.

 

Der in Mexico lebende Künstler Santiago Sierra schafft für "Protest! Respect!" eine neue Arbeit mit dem Titel "700 cm of displacement for three blocks of 100 cm per side". Sechs Arbeiter werden von der Kunsthalle zum Minimallohn angeheuert. In mühsamer Schieberei müssen diese drei Blöcke von einem Meter Kantenlänge sieben Meter weit schieben.

 

Courtesy Galerie Peter Kilchmann, Zürich.

 

Mit herzlichem Dank an MBT (Schweiz) und Holcim AG für ihre grosszügige Unterstützung. Das Projekt Shahrzad (beteiligt sind eine Künstlerin, ein Grafiker und ein Philosoph) übt einen spielerischen Umgang mit der iranischen Zensurbehörde.

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