Marianne Rinderknecht und Basim Magdy
«In der Lobby: Dream On»
Fries 001

11. September 2004 – 21. August 2005

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Marianne Rinderknecht und Basim Magdy «Dream On», Ausstellungsansicht, 2004. Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Stefan Rohner

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Marianne Rinderknecht und Basim Magdy «Dream On», Ausstellungsansicht, 2004. Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Stefan Rohner

Sergeant Pepper versucht sich am High Score

 

Berge von Eiscrème, fluoreszierende Pilze und Blütenstengel bilden den Hintergrund für spielerische Kriegsszenen, die aus vielen kleinen Flugzeugen, Pac men und Robotern bestehen. Wie geheime Beobachter blicken wir auf dieses psychedelisch anmutende Panorama-Tableau. Es erinnert an Schlachtfelder und deren künstlerische Repräsentation im 19. Jahrhundert. Der Krieg ist in diesem Falle nur ein Spiel, in dem man um Punkte oder aber den High Score kämpft. Der Lauf der Geschichte wird durch eine undramatische Story verdrängt.

 

Die erste Gemeinschaftsarbeit zwischen Marianne Rinderknecht und Basim Magdy entstand ziemlich spontan in der Townhouse Gallery in Kairo. Die grosszügige Wandfläche wurde vollständig von ihren farbenfrohen Welten bedeckt. Die Bildsprachen der beiden passen gut zusammen und werden durch die Präsenz des Anderen intensiviert.

 

Marianne Rinderknecht, die während eines Atelierstipendiums in Ägypten lebte, arbeitete hauptsächlich an einer Art „Pop-Botanik“, die sie aus der Perspektive eines Insektes im sommerlichen Gras imaginiert. Das heisse Klima Nordafrikas forderte eine Temperierung ihres bildnerischen Vokabulars. Ihre permanenten Träume von Eiscrème führten sie zu pastellfarbenen Bergen, Softeis für die Augen... Diese Utopie steht in der Tradition essbarer Landschaften, wie sie im „Schlaraffenland“ und ebenso in Lewis Carolls Wunderland beschrieben werden.

 

Bei Basim Magdys Arbeit liegt der Fokus auf dem Sujet der Karikatur. Seine Filme sind kleine Geschichten, animierte Zeichnungen als Kommentar zur „condition humaine“. Nahe am Slapstick, behandeln sie den (Un-) Sinn des Lebens. Indem er Videospiel-Figuren in eine malerische Komposition integriert, bedient er sich einer ähnlichen Strategie. In gemalter Form betreten die kleinen Figuren eine höhere Stufe der Aufmerksamkeit als auf dem Fernsehbildschirm. Das Arrangement der bildnerischen Komposition verleiht ihnen Schwerkraft. Trotzdem konstituieren sie Schlachtfelder – sie erinnern uns an die unfreundlichen Züge des Menschen.

 

Das Panorama der Landschaft von Marianne Rinderknecht und Basim Magdy bringt psychedelische Bilder und Krieg (Drogen spielen eine wichtige Rolle auf dem Schlachtfeld), Lollipop-Ästhetik und Videospiele (einige Besucher bezeichnen die Arbeit wegen ihrer Verspieltheit als „japanisch“), „Low Tech“ und Malerei zusammen, es ist irgendwo zwischen „Yellow Submarine“ und „Sergeant Pepper“ angesiedelt. Gäbe es Piloten in den kleinen Maschinen, würden sie Fantasieuniformen tragen, aus den kleinen Flugzeugen heraussteigen und freundlich fragen: „Magst Du mit uns spielen?“

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