«Death Passed My Way and Stuck This Flower in My Mouth»
Éric Baudelaire

11. September – 28. November 2021

Éric Baudelaire «Death Passed My Way and Stuck This Flower in My Mouth», Ausstellungsansicht, 2021. Courtesy: der Künstler. Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Sebastian Schaub.

Éric Baudelaire, Death Passed My Way and Stuck This Flower in My Mouth, 2021; L’Homme à la fleur, 2021; Baltic Sea (surface temperature anomaly), 1859 – 2018, 2021. Courtesy: der Künstler. Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Sebastian Schaub.

Éric Baudelaire, Camilla, September 10th 2021, 2021 (Detail). Courtesy: der Künstler. Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Sebastian Schaub.

Éric Baudelaire, Camilla, September 10th 2021, 2021. Courtesy: der Künstler. Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Sebastian Schaub.

Éric Baudelaire, This Flower in My Mouth, 2021. Courtesy: der Künstler. Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Sebastian Schaub.

Éric Baudelaire «Death Passed My Way and Stuck This Flower in My Mouth», Ausstellungsansicht, 2021. Courtesy: der Künstler. Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Sebastian Schaub.

Éric Baudelaire, Carbon (emissions), January 2020 – June 2021, 2021. Courtesy: der Künstler. Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Sebastian Schaub.

Éric Baudelaire, Carbon (emissions), January 2020 – June 2021, 2021 (Detail). Courtesy: der Künstler. Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Sebastian Schaub.

Éric Baudelaire, This Flower in My Mouth, 2021. Courtesy: der Künstler. Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Sebastian Schaub.

Éric Baudelaire, Death Passed My Way and Stuck This Flower in My Mouth, 2021. Courtesy: der Künstler. Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Sebastian Schaub.

Éric Baudelaire, This Flower in My Mouth, 2021. Courtesy: der Künstler. Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Sebastian Schaub.

Éric Baudelaire, The Man with the Flower in His Mouth, 2021; L’Homme à la fleur, 2021. Courtesy: der Künstler. Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Sebastian Schaub.

Éric Baudelaire, The Man with the Flower in His Mouth, 2021 (Detail). Courtesy: der Künstler. Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Sebastian Schaub.

Eröffnung: Freitag, 10. September 2021, 18–21 Uhr
Neustartfestival: Samstag, 11. September 2021, 11-23 Uhr
Führung am Dienstag: Dienstag, 14. September, 18 Uhr
(anschliessend Einführung für Lehrpersonen)
Führung am Sonntag: Sonntag, 28. November 2021, 15 Uhr

Der Filmemacher und Künstler Éric Baudelaire (*1973 in Salt Lake City/US, lebt und arbeitet in Paris/FR) präsentiert in der Kunst Halle Sankt Gallen eine Serie von Werken, die im letzten Jahr entstanden sind. Brennende Themen der Gegenwart bilden die inhaltliche Klammer für die Neuproduktionen des Künstlers, der 2019 mit dem ‹Prix Marcel Duchamp› ausgezeichnet wurde. Besonderes Interesse seiner forschungsbasierten Praxis gilt der Entwicklung einer künstlerischen Sprache zur Erkundung einer von Repräsentationssystemen geprägten Realität, die die gesellschaftliche und individuelle Erfahrung strukturiert. Für die Ausstellung realisiert Baudelaire eine raumgreifende Videoinstallation und weitere Arbeiten, bei denen die Blume – real und metaphorisch – als Ausgangspunkt zur Erforschung der ‘conditio humana’ im Moment globaler Krisen dient.

Im Zentrum des Mehrkanal-Films im ersten Raum der Ausstellung steht die grösste Kühlhalle Europas, in der jeden Morgen 46 Millionen Blumen aus Farmen in Afrika und Südamerika eingeflogen und versteigert werden. Die Arbeit in der Kühlhalle ist in Form einer hypnotischen, visuellen Anthropologie gefilmt, die gleichzeitig verführt, weil Blumen etwas Schönes sein können, und beunruhigt, weil das ökologische Ausmass dieses globalisierten Handels offenbart wird. Die dokumentarischen Aufnahmen verbindet Baudelaire mit Szenen eines fiktiven Beobachters, der nachts durch die Strassen streift: Sie sind inspiriert von Luigi Pirandellos Theaterstück L'Uomo dal Fiore in Bocca (1922) (dt: Der Mann mit einer Blume in seinem Mund). Die Blume, die auch der Ausstellung ihren Titel gibt, ist Referenz für ein Epitheliom, ein Tumor, der zu der Zeit als Pirandello das Stück schrieb eine unheilbare Krankheit war. Der Protagonist, dem Tod nahe, projiziert sich durch Gespräche mit Fremden und intensiven Beobachtungen in die kleinsten Details seiner Umgebung; ein Versuch seinem drohenden Schicksal zu entgehen. Pirandellos Theaterstück dient Baudelaire als Ausgangspunkt und Versatzstück, um eine narrative Ordnung zu schaffen, in der unsere Beziehung zur Welt und deren Endlichkeit thematisiert wird. 

Flüchtige Augenblicke und zyklische Prozesse bilden ein Raster in der Ausstellung. Die ephemere Lebensdauer der Blumen kontrastiert den unendlich erscheinenden, maschinellen Kreislauf des Marktes und liest sich als Zeichen jener Verletzlichkeit, die der Natur und Gesellschaft innewohnt. Die während der Pandemie gesammelten statistischen Daten, die Baudelaire in skulpturale Wachsreliefs übersetzt, erweitern seine Formensprache und schaffen eine lockere Poesie der Blumen, drohenden Katastrophen, Krankheiten und wirtschaftlichen Prozesse, während sie die Frage nach ihrer Repräsentation aufwerfen. Indem Baudelaire die Bilder, die unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit prägen, auf verschiedene Ebenen projiziert, ermöglicht er uns, ein eigenes Netz an Verbindungen zu knüpfen; nicht als Illusion eines Ganzen, sondern als fragmentierte, schmerzhafte und lyrische Schichten.

Éric Baudelaire (*1973, Salt Lake City/US) lebt und arbeitet in Paris/FR.
Einzelausstellungen (Auswahl): Spike Island, Bristol/UK (2021); Matadero, Madrid/ES (2020); Centre Régional d’Art Contemporain Occitanie, Sète/FR (2019); The Island Club, Limassol/CYP (2019); Barbara Wien, Berlin/DE (2019); Neuer Berliner Kunstverein, Berlin/DE (2018); Capo d’Arte, Gagliano del Capo/IT (2018); Centre Pompidou, Paris/FR (2017); Ludwig Forum, Aachen/DE (2015); Fridericianum, Kassel/DE (2014); Slought Foundation, Philadelphia/US (2012). Gruppenausstellungen (Auswahl): Museum of Contemporary Art, Thessaloniki/GR (2021); 34th Bienal de São Paulo, São Paulo/BR (2021); Macro Museum, Rom/IT (2021); Coalmine, Winterthur/CH (2020); Centre Pompidou, Paris/FR (2019); DEPO, Istanbul/TR (2019); Kunstmuseum Bonn, Bonn/DE (2019); MAXXI, Rom/IT (2018); Beirut Art Centre, Beirut/LB (2017); MOT Satellite Programme, Tokyo/JP (2017); Museo Reina Sofia, Madrid/ES (2016); Raven Row, London/UK (2015); MACBA, Barcelona/ES (2013).

Die Ausstellung von Éric Baudelaire wird unterstützt von der Jubiläumsstiftung der Mobiliar Genossenschaft und Lafayette Anticipations – Fondation d'entreprise Galeries Lafayette. Speziellen Dank an: Tisca Tischhauser AG.

Zurück