David Zink Yi
«Borrowed Light»

4. Juli – 7. September 2009

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David Zink Yi, Borrowed Light (Twilight II), 2009

Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Anna-Tina Eberhard 

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David Zink Yi, Neusilber (New Silver), 2009

Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Anna-Tina Eberhard 

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David Zink Yi, Horror Vacui, 2008

Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Anna-Tina Eberhard 

Wir freuen uns, Ihnen mit «Borrowed Light» in der Kunst Halle Sankt Gallen die jüngsten Werke des in Berlin lebenden peruanischen Künstlers David Zink Yi in einer sommerlichen Ausstellung präsentieren zu können. Im Zentrum der aufwändigen, in jahrelangen Entwicklungsprozessen entstandenen skulpturalen und filmischen Produktionen steht die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen und vielschichtigen Aspekten der Identitätsbildung. Dabei behandelt Zink Yi Identität in seiner Arbeit als einen abstrakten statt nurmehr kulturellen Prozess.

 

Gleich zu Beginn findet sich der Besucher in einer Landschaft von künstlichen Palmen wieder, die an den urbanen Raum vieler tropischer und subtropischer Städte des amerikanischen Kontinents erinnern. Sie sind aber ganz klar als Skulpturen zu erkennen: es handelt sich um idealisierte und verkleinerte Reproduktionen der Palmensorte "Washingtonia Robusta". Aus Aluminium und Edelstahl in der Kunstgiesserei St. Gallen produziert tragen sie den Titel Neusilber (New Silver) und messen ca. 3,5 Meter. Durch ihre räumliche Disposition realisiert Zink Yi damit eine spektakuläre Installation, die eine einzigartige Atmosphäre zwischen natürlichem Realismus und sinnlicher Künstlichkeit schafft. Die Objekte mit ihren scharfen, fein gearbeiteten Blättern machen die im städtischen Kontext in einer Höhe von 25 Metern angesiedelte Ebene der explosionsartigen Kronen in einer verkleinerten Form erfahrbar, was in einer Neuanordnung des Raumes und seiner Verhältnisse resultiert.

 

Die fotografische Arbeit Borrowed Light (Twilight II) knüpft inhaltlich an die Installation an. Sie ist während einer Vollmondnacht in Havanna entstanden und zeigt den Schatten eines Baumes, der auf eine Strasse und die ihr entlang laufende Mauer, hinter der Palmen in den Himmel ragen, fällt. Das Schwarz-Weiss-Bild wird rückseitig durch natürliches Licht erhellt und pulsiert so je nach Tageszeit in unzähligen Schattierungen. Das Zusammenspiel zweier Lichtquellen beim Betrachten der Fotografie - das künstliche Licht im Ausstellungsraum und das natürliche Tageslicht mit seiner unerwartet starken Wirkung auf das Barytpapier - bringt die Arbeit zur vollen Entfaltung und weist subtil auf die Grundeigenschaft der Fotografie hin, die nichts anderes als ein physikalisches Lichtphänomen ist. In seiner Platzierung an ein Fenster erinnernd erfüllt das zur Skulptur gewordene Bild allerdings dessen gegenteilige Funktion, indem es dem Licht den Eintritt in den Ausstellungsraum erschwert und diesen sowie den Betrachter im Zwielicht lässt.

 

Der Titel der Fotografie und gleichzeitig der gesamten Ausstellung, Borrowed Light, verweist auf Zink Yis Haltung im künstlerischen Prozess: als Zuhörer und Beobachter "borgt" er sich Licht – oder im Falle der Rituale und Bandproben in der Videoarbeit Horror Vacui - Musik, nachdem er Rahmenbedingungen für die performativen Momente geschaffen hat.

 

In der zweikanaligen Videoinstallation Horror Vacui im letzten Ausstellungsraum analysiert und huldigt Zink Yi die Rolle der Musik auf der karibischen Insel Kuba – als Kunstform, aber auch als rituellen Moment. In der zweistündigen Filmdokumentation verwebt er Probeszenen einer von ihm gegründeten Latin-Band mit unterschiedlichen musikalischen afro-kubanischen Ritualen. Cajon, Tambor Batá und Wiro, drei unterschiedliche Rituale aus den Religionen Palo Monte und Yoruba, strukturieren das Video in drei Teile. Die gleichberechtigte Behandlung von Musikproben und religiösen Momenten zeigt, dass beide musikalischen Handlungen sowie die Ausdrucksmöglichkeiten der Protagonisten auf einer archaischen Ebene ähnlichen Quellen entspringen und verwandte Empfindungen und Geisteszustände ermöglichen. Der Titel des Films - Angst vor der Leere - verweist darauf, dass alle Beteiligten ihren individuellen Ausdruck während der Intervalle der anderen finden. Jeder Einzelne ist danach bestrebt, die leeren Momente konstruktiv zu füllen, noch nicht vergebene Rollen zu übernehmen und partizipiert gleichzeitig am strukturellen Aufbau der Musik und der Rituale. So entsteht schliesslich ein dichtes Gewebe, ein Polirhytmus. Horror Vacui ist als ausgedehntes Bild zu verstehen, ohne Anfang und Ende. Der Betrachter wird in einen Zustand gebracht, der auf der Basis der musikalischen Produktion und der Affekte, aus denen heraus Musik produziert wird, konstant bleibt und der so lange wie möglich gedehnt werden soll, bis hin zur Entstehung eines abstrakten, zeit- und raumlosen Bildes.

 

 

Biografische Angaben: 

 

David Zink Yi (*1973, Lima PE) studierte an der Universität der Künste in Berlin sowie der Akademie der Bildenden Künste in München. Einzelausstellungen des Künstlers fanden bereits in folgenden Institutionen und Galerien statt: Galleria Francosoffiantino Artecontemporanea, Turin (2007), Galerie Johann König, Berlin (2006), Museum Ludwig, Köln (2006), FRAC Champagne-Ardennes, Reims (2006), Kunstraum, Innsbruck (2005), Künstlerhaus, Bremen, sowie Hauser und Wirth, Zürich (2004). Des Weiteren war Zink Yi an zahlreichen Gruppenausstellungen beteiligt, zuletzt in der GfzK - Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig, im Martin-Gropius-Bau, Berlin (2008), im Centro Cultural Banco do Brasil, Rio de Janeiro, Kunsthalle, Düsseldorf, Malmö Konsthall, Malmö, Zern, Berlin, und Hamburger Bahnhof, Berlin (2007).

 

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