Armen Eloyan,
Special Guest:
Roman Wolgin
«Local Gothic
and Culture»

5. April – 26. Mai 2008

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Roman Wolgin, Installationsansicht, Dividing and mixing, 2008

Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Stefan Rohner

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Armen Eloyan, Ausstellungsansicht, Baby Micky Black,

Dog and Dog und Enjoying a Day, 2008

Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Stefan Rohner

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Armen Eloyan, Ausstellungsansicht, The Visitor, 2008

Photo: Kunst Halle Sankt Gallen, Stefan Rohner

Armen Eloyan (*1966) erfindet in seiner Malerei eine Welt, die von kruden Figuren bevölkert wird. Der Betrachter kann zuweilen Schwierigkeiten haben, sich mit den bis ins Groteske überzeichneten Gestalten zu identifizieren, denn Eloyan entblösst auf eine humorvolle Art und Weise die Unzulänglichkeiten des Homo sapiens. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der holländische Künstler mit armenischen Wurzeln seinen HauptdarstellerInnen das Leben auf der Leinwand schwer macht und diese in einen Kosmos aus Brutalität, Sexualität, Banalität und Unschuld einbettet. Als Motiv-Vorlage dienen ihm Abbildungen aus den unterschiedlichsten Quellen wie Märchen, volkstümlichen Erzählungen, Zeichentrickfilmen, Comics und anderen Formen der Populärkultur. Darüber hinaus befasst sich Eloyan’s Kunst mit der Geschichte und Tradition der Malerei: Licht, Raum, Abstraktion und Figur,

Genrebilder (Interieur, Landschaftsbild, Porträt), Malgestus, Materialität.

 

Im ersten Raum der Ausstellung folgen die präsentierten Bilder nicht einer in sich geschlossenen Dramaturgie, sondern bestechen durch ihre malerische und narrative Eigenständigkeit. Baby Micky Black (2008) zeigt eine sitzende Mickey-Mouse-ähnliche Figur, die in einem Haufen von unzähligen Gegenständen wühlt. Die Dinge sind nicht eindeutig zu erkennen und bewegen sich zwischen Figuration und Abstraktion. In der Andeutung bleibt auch der eingefrorene Moment einer Handlung. Dabei ruht die dargestellte Situation nicht in sich, sondern animiert den Betrachter suggestiv sich das Davor und Danach vorzustellen. Armen Eloyan erzählt in Form eines Einzelbildes aus einem Skribble, welches nie zu Ende geschrieben wurde. Jedes Bild steht demzufolge für eine Szene aus einem unbekannten Drehbuch. Sowohl in Preparing for the Night (2008) als auch in The Visitor(2008) erinnert die Szene an die Bilderwelt aus populären Märchen. Die Malerei wirkt überladen, kompakt, intensiv und dunkel. Einen Gegensatz dazu bildet Enjoying a Day (2008): Der Protagonist liegt alle Viere von sich gestreckt unter einem Baum in einer grünen Landschaft und geniesst einen Augenblick völliger Entspannung, die sich in der transparenten Malweise sowie dem hellen Farbspektrum offenbart.

 

Der Künstler verfügt über ein Arsenal von Figuren, die uns immer wieder begegnen und uns an ihre berühmten Vorgänger wie Krazy Kat und Mickey Mouse erinnern. So auch im dritten Raum: Sowohl in Wondering Goofy(2008) als auch in Someone must be at Home (2008) dominiert die Hauptfigur den Bildraum und behauptet sich neben abstrakten Elementen wie Farbflächen und geometrischen Formen (Quadrat, Dreieck, Trapez). Anhand dieser beiden Bilder lassen sich die vielseitigen Möglichkeiten von Farbe und Malgestus nachvollziehen, die an die Tradition des europäischenInformel und des amerikanischen Abstrakten Expressionismus anknüpfen. Eloyan’s Kunst vereint so gegensätzliche Mittel wie die Andeutung mit der Wucht und Unmittelbarkeit der großen Geste, die Transparenz mit der materiellen Farb-Überladung, die Leere mit einer hohen Zeichendichte, das Ausdrücken von Farbe aus der Tube mit dem Kratzen auf der Oberfläche. Seine Malerei erinnert stilistisch auch an die Werke der Fauves oder derJungen Wilden und hat mit ihnen sowohl die Spontaneität als auch eine expressive Figuration mit chiffrenhaften Gestalten gemein.

 

Das Genrebild des Porträts taucht mehrmals in der Ausstellung auf. So kontrastieren die beiden Bilder Dog and Dog (2008) und A Man Face (2006) mit den grossformatigen Gemälden und beeinflussen den Rhythmus im ersten Raum. Weitere kleinformatige Porträts sind im dritten Raum zu sehen: Die dargestellten Persönlichkeiten können als Charakterstudien zusammengefasst werden. In Eloyan’s Ahnengalerie reiht sich ein in Grautönen gemalter Jedermann (Stripe Shirt, 2006), ein rauchender Knirps (Smoker, 2006), eine watschelnde Ente (Bluffing Goofy, 2008) und ein Hase in einem Clownkostüm (Actor, 2008) aneinander. Die Ausstellung vermittelt ein Gefühl von den Widersprüchlichkeiten in der heutigen Welt, die den Menschen immer beschäftigen werden und ihren Ausdruck und Gegenentwurf in den Künsten finden.

 

Die Installation dividing and mixing (2008) von Roman Wolgin (*1971), der als Gast von Armen Eloyan eingeladen wurde, erinnert an ein Kabinett: An der Wand hängen unzählige Papierarbeiten, die der russische Künstler nach figurativen und abstrakten Motiven sortiert und mit Stecknadeln an der Wand angebracht hat. Als Ausgangsmaterial für die Zeichnungen verwendete Wolgin vorwiegend Einzel- oder Doppelseiten aus alten und neueren Zeitschriften, die von ihm mit Lackstiften übermalt wurden. So lassen sich Motive aus der Werbung, der Mode, Berühmtheiten aus Film und Politik entdecken, die unsere bunte und grelle Konsum- und Promiwelt illustrieren. Durch die manuelle Übermalung werden sowohl die Künstlichkeit als auch die Klischees der medialen Welt deutlich. Neben der Sammlung figurativer Motive gestaltete Wolgin eine Wand mit geometrischen Grundfiguren auf gedruckten Papierbögen. Auf einer anderen Wand zeigt der Künstler eine Auswahl von pseudo-wissenschaftlichen Illustrationen und thematisiert damit den Trend der Verwissenschaftlichung der Welt durch Bilder: So sehen wir Sternenhimmel, chemische Formeln und computergenerierte Grafiken, die jedoch freihändig gezeichnet sind. Dem gegenüber steht eine kleine Ansammlung von Darstellungen des Bösen. Die Installation kann als ein Versuch verstanden werden, den uns umgebenden Bilderkosmos zu ordnen, welcher unser Weltbild zugleich (de-)konstruiert und konstituiert.

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